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Karl Korn (20.05.1908 – 10.08.1991) "Die Sprache ist wie ein Seismograph. Kein Beben bleibt ihr verborgen. Und ihre Aufzeichnungen sind Wörter, deren verdächtiger Klang bereits das oder die Beben anzeigt. Gedankengut war ein Wort der Tarnung. Die es gebrauchten, waren Leute die weder ihre denkerische Unsicherheit noch ihre Verachtung ehrlichen und gründlichen Denkens zugeben wollten. Sie verachteten das Denken und versuchten, sich durch ein Pseudodenken auszuweisen. Dieses Pseudodenken war zwar ursprünglich gelegentlich Denkern entlehnt, wurde aber kritiklos zusammengestückelt, vom Müllhaufen überwundener Systeme zusammengeklaubt und schließlich als Gedankengut angeboten. Wie verdächtig das Sammelwort ist, erkennt man aus Analogien. Bei der Bahn heißt eine Art Fracht Stückgut, und die leeren Kisten und Fässer heißen Leergut. Da sind solche Wörter richtig am Platze. Für Verächter des Denkens und der Gedanken war das Gedankengut gerade ‚gut’ genug. Wären sie ehrlich gewesen, hätten sie ihr sogenanntes Gedankengut Gedankenkehricht oder so ähnlich nennen müssen." Aus: "Sprache in der verwalteten Welt." |
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