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Hugo von Hofmannsthal „Unser kultureller Besitz ist uns heilig und wir wissen, was wir mit ihm in die Wagschale legen. Aber er besteht für uns nicht in ehrwürdigen Bauwerken und alten Ordnungen, in einer an glanzvollen Erinnerungen reichen monarchischen Aristokratie und auch nicht in der Buntheit unserer Landschaften und dem Reichtum ihrer Sitten. Wir wollen ihn tiefer und lebendiger fassen: Kultur ist uns kein Totes und Abgeschlossenes, sondern ein lebendiges, das Ineinandergreifen der Lebenskreise und Lebenskräfte, des Politischen und des Militärischen, die Verbindung des Materiellen mit den Sittlichen. Und weil bei uns nicht leicht über unsere Dinge gesprochen werden kann, ohne daß ein kleines Wort des Tadels einfließt, so könnten wir doch einmal von einem österreichischen Fehler sprechen, der sich durch Dezennien hingeschleppt hat, der so ganz und gar dem Wesen unserer größten österreichischen Figuren, der großen Kaiserin oder des Prinzen Eugen, widerspricht, den Fehler, Politik und Verwaltung , Verwaltung und Kultur gesondert zu behandeln. Politik! Was ist diese eigentlich? Was ist sie, wenn nicht Verständigung über das Wirkliche, darüber, wo das Entscheidende wirklich zu finden ist, ob im Materiellen des Handels, der Industrie, im Geistigen des Glaubens, des Vaterlandsglaubens? Das schwingt der Pendel weit hin und her. Darüber, wo das Wirkliche zu finden ist, hat uns vielleicht der Krieg einen Fingerzeig gegeben. Das muß doch das Wirkliche sein, wo die größte, unbedingteste, innerste, lauterste Kraft ist.“ (aus: „Österreich im Spiegel seiner Dichtung“) |
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